Crooked Kingdom

Titel: Crooked Kingdom
Autor: Leigh Bardugo
Verlag: Orion Children’s Books
Seitenzahl: 536 Seiten
Erstveröffentlichung: 27. September 2016

Genre: Young Adult, Fantasy, Thriller

Klappentext

Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie nach Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon, Kaz‘ Geliebte Inej gerät in Gefangenschaft. Doch Kaz trägt seinen Spitznamen »Dirtyhands« nicht ohne Grund – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um Inej zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten.

Langrezi

[Information: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und werde im Folgenden auch die englischen Begriffe verwenden.]
[Information II: Diese Rezi enthält Spoiler. Wenn ihr das Buch noch lesen wollt, oder den ersten Teil „Six Of Crows“ noch nicht gelesen habt, solltet ihr ab „Inhalt“ erst einmal aufhören zu lesen.]

Hm. Zugegeben, der Einstieg in diese Rezi ist nicht ganz üblich, für mich fasst dieses Wort „Crooked Kingdom“ jedoch ausgezeichnet zusammen. Es ist, wie sein Vorgänger „Six Of Crows“, eine interessante Geschichte mit interessanten Charakteren. Aber die negativen Punkte, die ich schon im ersten Teil angemerkt hatte, sind geblieben und teilweise sogar noch krasser geworden. Andere kamen hinzu.

Inhalt

„Hm“ passt auch zum Klappentext, denn ich sehe mich gezwungen, ein bisschen was klarzustellen. Ja, die Truppe um Kaz hat es aus Fjerda zurückgeschafft, wenn auch mit dem Sohn des zu entführenden Forschers anstatt des Wissenschaftlers selbst. Doch der Junge, Kuwei Yul-Bo, scheint ebenfalls in der Lage, die Forschungen an Jurda Parem, einer äußerst süchtig machenden Droge, die Grisha-Kräfte um ein Vielfaches verstärkt, fortzuführen. Die Gruppe erwartet also die versprochene Belohnung von Geschäftsmann Jan Van Eck. Die zahlt er aber nicht aus, sondern ist stattdessen bemüht, die Mitwisser aus dem Weg zu räumen und Kuwei in seine Hände zu bekommen. Dadurch entwickelt sich ein abwechslungsreiches Katz- und Maus-Spiel, in dessen Verlauf Inej tatsächlich entführt wird und sich ebenso Pekka Rollins, der einst indirekt den Tod von Kaz‘ Bruder Jordie verschuldet hat, einklinkt. Die erwähnte Liebesgeschichte von Inej und Kaz ist jedoch kaum ausgeprägter als im ersten Teil.

Ich habe es in der „Six Of Crows“-Rezi geschrieben, und ich betone es jetzt noch einmal: Ich bin wirklich kein Freund von Deus ex machina. Und während er im ersten Buch eher durchs Fenster gespäht und ab und zu etwas hineingerufen hat, tritt der Gott aus der Maschine in diesem Teil die Tür ein, setzt sich an den Tisch und verlangt Kaffee. Es ist bei Weitem nicht so, dass alles durch plötzlich auftretende glückliche Wendungen oder eine zurecht gebogene Story gelöst wird, aber das Ende ist ein Paradebeispiel dafür.

Einige während des Buchs angewandte Lösungen wurden zwar im Vorfeld mal mit einem Satz oder zwei angedeutet, aber so zart, dass es wirkt, als wäre es später eingeschoben worden. Aber formulieren wir es positiv: Der aufmerksame Leser kann oftmals drauf kommen, was Kaz in etwa vorhat. Beim Ende ist das leider überhaupt nicht möglich, obwohl es auch dort kein Problem gewesen wäre, das entsprechende Gesetz, dessen Kaz sich bedient, vorher zumindest mal zu erwähnen. Das ist wirklich schade.

Charaktere

Aber zurück zu den Liebesgeschichten: Der Anfang des Buches gehört in in diesem Punkt eindeutig Matthias und Nina, was auch vollkommen in Ordnung ist. Denn Nina hat zur Rettung der Gruppe in Fjerda etwas Jurda Parem genommen. Zuerst hatte ich Angst, Autorin Leigh Bardugo hätte die Folgen – Ninas Kampf mit der Abhängigkeit – übersprungen, aber er findet seinen Platz. Schön erzählt, mit viel Gefühl für unausgesprochene Dinge, die trotzdem im Raum stehen. Das Ganze hat noch den schönen Nebeneffekt, dass Nina, die vorher und nachher meist auf die sinnlichen, witzigen, frechen Attribute beschränkt wird, eine ernste Facette erhält. Das tut gut, denn Nina hat für mein Empfinden auch durchaus anstrengendere Passagen. Und ja, der ungeschönte Entzug mit allen Folgen gehört definitiv nicht dazu.

Der Rest des Buches gehört in Sachen Liebesgeschichte fast ausschließlich Jesper und Wylan. Hatte ich in der Rezi zum ersten Band noch kritisiert, dass Wylan in der Charakterentwicklung zu kurz kommt, ist das in „Crooked Kingdom“ komplett anders. Seine Geschichte ist meiner Meinung nach nicht die interessanteste, auch Jespers tiefere Charakterzeichnung hätte wohl kürzer erzählt werden können, aber die beiden zusammen nötigten mir ab und zu schon ein Schmunzeln ab. Es sind angenehme Figuren, wenn auch nicht immer ganz einfach. Aber das muss ja nichts Negatives sein.

Was wirklich schade ist: Abgesehen von einer Szene, die Inej und Kaz komplett alleine gehört, wird ihre Liebesgeschichte fast genauso zart behandelt wie im ersten Teil. Erst am Ende haut die Autorin da nochmal einen raus, was leider wie ein sehr erzwungenes Happy End wirkt. Es ist zwar nicht allumfassend, aber man merkt die Anstrengung, alles, was halbwegs vertretbar war, zum Guten zu wenden.

Stil

Ein Charakter wird getötet – und landet damit auf meiner persönlichen Top-Liste der unnötigsten Tode in Geschichten. Die letzten Momente sind schön beschrieben, da gibt es überhaupt nichts, aber ich glaube, das ist das Problem: Die Autorin hatte diese Szene vor Augen und wollte sie unbedingt in die Geschichte bekommen – und irgendwann merkte sie, dass es vom Plot her langsam schwierig wird.

Auch gibt es Storystränge, beispielsweise indirekt durch Jurda Parem geschaffene Supersoldaten, die Grisha töten sollen,die nicht vernünftig zu Ende erzählt werden. Sie treten stark auf, haben ihre Szenen – und verschwinden dann in Form eines relativ unspektakulären Kampfes zwischen einem der Soldaten und Jesper. Auch da wäre mehr drin gewesen.

Insgesamt aber hatte ich trotzdem das Gefühl, dass man merkt, welche Liebe die Autorin auch in dieses Buch gelegt hat. Und ich glaube, auch eigene Ansichten, die Leigh Bardugo wichtig waren zu erwähnen, sind schön eingearbeitet worden. Dafür möchte ich eine Stelle als Beispiel zitieren. Es ist aus Inejs Perspektive geschrieben, sie denkt gerade über eine Söldnerin, Dunyasha, nach, die sie töten sollte.

„Inej almost felt sorry for her. Dunyasha really believed she was the Lantsov heir, and maybe she was. But wasn’t that what every girl dreamed? That she’d wake and find herself a princess? Or blessed with magical powers and a grand destiny? Maybe there were people who lived those lives. Maybe this girl was one of them. But what about the rest of us? What about the nobodies and the nothings, the invisible girls? We learn to hold our heads as if we wear crowns. We learn to wring magic from the ordinary. That was how you survived when you weren’t chosen, when there was no royal blood in your veins. When the world owed you nothing, you demanded of it anyway.”

S. 460

(„Inej hatte fast Mitleid mit ihr. Dunyasha glaubte wirklich, dass sie die Lantsov-Thronfolgerin war, und vielleicht war sie es. Aber war das nicht, wovon jedes Mädchen träumte? Dass sie aufwachen und feststellen würde, dass sie eine Prinzessin war? Oder mit magischen Kräften und einem großen Schicksal gesegnet war? Vielleicht gab es Menschen, die dieses Leben lebten. Vielleicht war dieses Mädchen eine von ihnen. Aber was ist mit dem Rest von uns? Was ist mit den Niemanden, den unsichtbaren Mädchen? Wir lernen, unsere Köpfe hochzunehmen, als ob wir eine Krone tragen. Wir lernen, Magie aus dem Alltäglichen zu wringen. Das war, wie du überlebtest, wenn du nicht auserwählt warst, wenn kein königliches Blut in deinen Adern war. Wenn die Welt dir nichts schuldete, hast du es trotzdem verlangt.“)

Ich bin kein Experte für die Träume von Mädchen, aber ich glaube, das können die meisten Menschen so nachvollziehen.

Aber auch Detailtreue, interessante Wendungen und sogar ein unheimlicher Aspekt in Bezug auf Ninas Entwicklung, der mir persönlich sehr gut gefällt, sollen hier nicht verschwiegen werden.

Und ein nettes Gimmick gibt es auch in diesem Teil, diesmal am Ende: Zu jedem Charakter ist die korrekte Aussprache aufgelistet. Auf den letzten Seiten einer Duologie vielleicht ein wenig spät, einen Großteil der Namen habe ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Kopf bereits anders ausgesprochen, aber es ist trotzdem interessant und witzig.

Fazit

„Crooked Kingdom“ beendet die Duologie und ist definitiv kein schlechter Nachfolger von „Six Of Crows“, aber ich finde es schade, dass die Geschichte unter ihren Möglichkeiten bleibt. Meiner Meinung nach hätte man die Geschichte mit einigen Handgriffen noch deutlich aufwerten können. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte spannend und hat auch ihre wirklich witzigen Momente. Umso mehr treffen mich aber auch die negativen Aspekte. Es bleibt beim Hm. 3,5 von 5 Sternen.

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