Cats

Einleitung

Im Jahr 2015 hat sich Jupiter Ascending die Krone für den schlechtesten, dümmsten und einfach lächerlichsten Film des Jahrzehnts gesichert, hatte diese auch ziemlich sicher auf seinem wirren Schädel sitzen, und kurz vor Torschluss im Dezember 2019 kommt da ein Film daher, der sich die Krone nicht nur leicht und locker sichert; er klebt sich auch noch 12 Kilo Patex an den Schädel, damit sie auf jeden Fall bleibt.

Die Rede ist von „Cats“. Eines der wohl erfolgreichsten Musicals weltweit, mit einer riesigen Fangemeinde, deren Nachteil ist, dass man Musicals nicht in jeder Stadt sehen kann und zusätzlich auch nicht jedes Musical in den Städten, die das anbieten. Was wäre da also naheliegender, als mit einer Musicalverfilmung eine schnelle Mark zu machen? Bis hierhin alles richtig gemacht, könnte man sagen. Da hört es dann aber auch schon auf.

Ich habe das Musical nicht gesehen und muss auch ehrlich zugeben, den Film nur im Kino gesehen zu haben, weil ich von den miesen Kritiken gelesen habe und mich überzeugen wollte, ob der Film tatsächlich so schlecht ist… Ich hatte ja keine Ahnung.

Langrezi

So sitzt man also im Saal und der Film geht los und die unweigerliche Frage, die man sich stellt, lautet: „Was, wenn mir der Film gefällt? Sind die Kritiken dann unfair, oder sind meine Ansprüche so sehr ins Bodenlose gesunken?“ Die ersten Szenen haben mir die potentielle Angst vor mir selbst genommen. Von Anfang an ist dieser Film einfach eine Kat(z)astrophe! Die Protagonistin wird von ihrem Menschen ausgesetzt (sprich: in einem Jutesack in einen Hinterhof geworfen) und trifft auf ihre neuen Freunde. Die Jellicle Cats. Warum diese so heißen, wird nicht erklärt und scheint auch nicht weiter wichtig zu sein. Warum das kleine Kätzchen dem Auto ihrer Besitzerin, das höchstens auf dem Schleifpunkt „flüchtet“, auch nicht einfach hinterherläuft, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

Was folgt sind Tanzeinlagen, Lieder und ein Finale Furioso, das in etwa so spannend ist wie Tütensuppe. Einfach alles an diesem Film ist schlecht. Die Animationen sind gruselig. Die Katzenhumanoiden sind so wirr animiert, dass sie einen im Schlaf heimsuchen werden.

Meine „Best of the worst list“ führt hier klar der „Hauptkater“ an, dessen Namen man entweder nicht erfährt, oder ich hab ihn vergessen. Ist halt auch egal, denn es hat für den Film absolut keine Relevanz, wer die Katzen so sind. Das Introlied sagt uns zumindest, dass es viele Cats gibt. Zum Beispiel „fanatische Cats“, „oratorische Cats, „demagogische Cats“, „pädagogische Cats“ oder auch „metaphorische Cats“ … mhm… nimm mal weniger Catnip… oder mehr… Ändere auf jeden Fall die Dosis.

Dieser Anführer der Bande ist so mies animiert, dass es jedem Grafiker die Tränen in die Augen treibt. Der Plot ist praktisch nicht vorhanden. Es wird gesungen, es wird getanzt und am Ende wird eine Katze in den sicheren Tod geschickt, während alle frohlockend singen und jubeln. Ja, auch die dem Tod geweihte Katze. Das alles wird natürlich in einem Ca(t)sting abgehalten, nach welchem sich die Katzenälteste entscheidet, welcher der Teilnehmer in „die hohen Sphären aufsteigen“ darf. Aka in einen Ballon steigen und so lange aufsteigen, bis sie eben den Löffel abgibt.

Diese ganze Nummer wird allerdings dann hinfällig, als die Älteste (gespielt von Judi Dench) der neuen Katze eröffnet, dass sie sowieso nur danach entscheidet, wer es ihrer Meinung nach am meisten verdient hat. Das Schockierende an diesem Plottwist ist, dass man sich locker knappe zwei Stunden hätte sparen können. Zeit, die man nie wiedersieht! Die Macher haben es geschafft, Größen wie Judi Dench, Idris Elba und Sir Ian McKellen in diesen Film zu lotsen und sie völlig zu demütigen! Hör auf, wie eine Katze aus einem Teller Brackwasser zu schlabbern! Du bist Gandalf, verdammt!

Bis kurz vor Schluss hat es immerhin den Anschein, dass Idris Elba immerhin ein bisschen seiner Würde behält, denn er hatte als „cooler“ Antagonist Macavity stets einen Hut und Mantel an und war nur marginal animiert… Bis eben kurz vor Schluss, als er alles ablegt und ebenso schlecht animiert herumtanzt wie alle anderen.

Besonders authentisch fand ich Taylor Swift. Sie hat restlos überzeugt in ihrer Rolle als Taylor-Swift-Katze. Rebel Wilson hat ihre Wandelbarkeit gezeigt, indem sie eine dicke Katze, die für plumpe „Guckt her, wie dick ich bin“-Momente sorgt, gespielt hat. Ganz was Neues. Und weil ein dickes Kätzchen nicht reicht, wurde direkt mit James Corden ein dicker Kater gecastet, der immerhin dafür sorgt, dass ich einmal schmunzeln konnte. Das Lied „Memories“ ist tatsächlich sowas wie ein Highlight des Films. Und auch die Performance von Jennifer Hudson, die die spätere „Gewinnerin“ des Todesflugs spielt.

Fazit

Aber alles in allem ist dieser Film das, was er ist, und das ist einfach ein Katzenjammer… Dieses und die anderen Wortspiele in diesem Text sind allesamt unterhaltsamer als der Film. Unglaublich, aber wahr. In meinem Fazit stelle ich mir allerdings die Frage, ob ich eine Empfehlung für den Film aussprechen würde. Und das würde ich unter gewissen Umständen tatsächlich tun. Man muss diesen Film gesehen haben, um zu verstehen, in welchem Ausmaß sich die Schlechtigkeit manifestiert.

Katastrophentouristen kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten.
Aber im Ernst: Sollte der Film bald bei Netflix oder Amazon Prime auftauchen, kann man sich ihn durchaus mal antun. Ein paar Freunde einladen, eine oder auch zwölf Flaschen Schnaps auf den Tisch stellen und einfach trinken, wenn man das Gefühl hat, dass der Film das gerade von einem will. Und er will es sehr oft! In einer nüchternen, objektiven Bewertung landet Cats allerdings nicht auf den Füßen, sondern in einem Zwinger voller tollwütiger Hunde.

Bewertung: 0,5/10 Punkte

Zum Abschluss

Kleine Geschichte aus dem Kinobesuch, die mich etwas traurig gemacht hat: Einige Reihen vor uns kam ein altes Ehepaar in den Saal. Sie konnte kaum noch laufen und er hat sich sehr herzlich um sie gekümmert. Ich kann nur vermuten, dass die Dame ein sehr großer Fan ist, es aber gesundheitlich nicht mehr schafft, das Musical zu besuchen. Also haben sie sich wahrscheinlich sehr auf diesen Film gefreut um dann so einen riesigen Haufen Dreck serviert zu bekommen. Fans werden mit diesem Film nämlich bestimmt nichts anfangen können und bitter enttäuscht sein. Dafür sollten sich die Macher und das Studio hinter dieser Ausrede eines Films schämen.

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