The Song of Achilles

Titel: The Song of Achilles (dt.: Das Lied des Achill)
Autorin: Madeline Miller
Verlag: Bloomsbury Academic
Erscheinungsdatum: 21. September 2017
Seitenzahl: 368

Genre: Historische Fiktion

Klappentext

„A tale of gods, kings, immortal fame, and the human heart, The Song of Achilles is a dazzling literary feat that brilliantly reimagines Homer’s enduring masterwork, The Iliad. An action-packed adventure, an epic love story, a marvelously conceived and executed page-turner, Miller’s monumental debut novel has already earned resounding acclaim from some of contemporary fiction’s brightest lights—and fans of Mary Renault, Bernard Cornwell, Steven Pressfield, and Colleen McCullough’s Masters of Rome series will delight in this unforgettable journey back to ancient Greece in the Age of Heroes.“

Langrezi

Dieses Buch habe ich gelesen, weil es allgemein so gefeiert wird. Ich habe sogar die glitzernde Spezialausgabe gekauft, weil ich dachte, das wird eine sichere Liebe oder zumindest ein paar nette Stunden.

Pah. Weit gefehlt. Es fing nett an, wurde dann zu Langeweile und schließlich zu Wut. Ich fand dieses Buch scheußlich, und ich bin immer noch wütend, also rante ich jetzt ein wenig rum.

Charaktere

Fangen wir mit den Charakteren an, denn ich habe sie so intensiv hassen gelernt, dass ich das mit euch teilen will.

Unser Prota, Patroklos, kann nix und will nix. Das einzige, was er im Leben begehrt, ist bei Achilles zu sein, und in 95% des Buches trifft er keine anderen Entscheidungen, als Achilles hinterherzulaufen wie ein Hund. Ganz ehrlich, wenn zu mir jemand sagen würde, er würde für mich empfinden wie Patroklos für Achilles, dann würde ich die Polizei rufen. Vor Joe Goldberg aus „You“ warnen alle, aber hier ist das auf einmal sexy?

Das hat leider keine Tiefe, wirkt nur maximal verstört und macht aus der Liebe eine krankhafte Obsession, die leider auch durchgehend oberflächlich dahindümpelt, von ein paar nett gemachten steamy Szenen mal abgesehen.

Achilles ist so eine richtig dumme, naivstolze Kackbratze. Er ist so ein typisches Einzelkind der modernen Erziehungsweise, kann alles, erwartet alles, ist stolz ohne Ende, ohne jemals etwas geleistet zu haben, und sonnt sich in dem Ruhm seiner bloßen Existenz. Harry Potters Cousin Dudley? Hier haben wir ihn in schlank, aber nicht nennenswert sympathischer. Gegen Ende habe ich mir einfach nur sein schnelles Ableben gewünscht, weil er da leider noch mal so richtig schön scheiße wird und ich nicht im Geringsten nachvollziehen kann, wie man für so eine Person mitfühlen kann. Einmal mit der Bratpfanne in die Fresse bitte.

Die restlichen Charaktere haben die Tiefe einer Pfütze und bleiben in ihren schmalspurigen Bahnen. Odysseus ausgenommen, der ist der coolste Dude, der hat vermutlich alles an Charakterisierung aufgebraucht, da blieb einfach nix mehr für den Rest übrig. Schade drum.

Die Welt

Die Welt als solche fand ich ganz okay, aber wer auch nur ein bisschen feministisch unterwegs ist, wird sich hier ganz schön quälen. Ja, die griechische Mythologie ist nicht nett zu Frauen, aber auch dort gab es starke Frauen, von denen es witzigerweise keine einzige in dieses Buch geschafft hat. Absolut jede Frau ist dafür da, vergewaltigt zu werden und optional auch noch ein Kind zu werfen, das dann, wenn es ins passende Alter kommt, wieder Frauen vergewaltigt. Vergewaltigungsszenen oder
-andeutungen werden in diesem Buch verstreut wie in anderen Büchern Naturbeschreibungen oder innere Monologe – ich schätze, so kann man ein Buch auch auf die nötige Länge bringen. Ob es das gebraucht hätte? Für mich jedenfalls nicht, da hätte man auch einen moderneren Blickwinkel nehmen können.

Dramaturgie und Stil

Wer ein Buch mit Action erwartet, wird hier auf jeden Fall enttäuscht, denn das hier ist so ein slow burn, dass man sich fragt, ob überhaupt irgendwas noch burnt. Der Spannungsbogen geht spätestens Hälfte des Buches flöten, ständig werden noch irgendwelche Episoden eingeworfen, um das Ganze noch ein bisschen unerträglicher in die Länge zu ziehen. Das Finale ist dann überraschend nett (also buchstäblich die letzte Seite des Buches), kann aber nicht im Mindesten die furchtbare Geschichte davor rausreißen.

Auch stilistisch konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Ich lese immer davon, wie toll es geschrieben sein soll, aber eine Stephanie Garber oder ein Jay Kristoff befinden sich für mich auf einem komplett anderen Niveau. Dass ständig zwischen den Zeiten gesprungen wurde, wirkt wie ein verzweifelt erzwungenes Stilmittel, das leider keinerlei Wirkung zeigt.
Was ich auch nicht verstanden habe: Wieso werden das ganze Buch über Achilles‘ Füße fetischisiert, wenn der Mythos dazu nicht mal aufgegriffen hat? Wieso entfernt sich das Buch oftmals so weit von den Vorlagen, um den möglichst langweiligsten Plotweg zu nehmen?

Fazit

Bratzige Charaktere, blasse Welt, wenig Plot, null Begeisterung, keine Empfehlung. Einer von fünf Sternen.

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