Someone Else

Titel: Someone Else
Autor: Laura Kneidl
Verlag: Lyx
Seitenzahl: 432

Genre: New Adult

Klappentext

„Eigentlich könnten Cassie und Auri das perfekte Paar sein: Sie sind beste Freunde, wohnen zusammen und teilen ihr größtes Hobby – die Fantasyliteratur. Und obwohl Cassie das Gefühl hat, dass niemand auf der Welt sie besser kennt als Auri, scheinen die beiden manchmal Welten zu trennen. Während Auri Football spielt, viele Bekanntschaften hat und gern unter Menschen geht, zieht Cassie sich lieber von der Außenwelt zurück und pflegt einen kleinen, aber engen Freundeskreis. Doch je mehr Zeit vergeht und je stärker ihre Gefühle für Auri werden, desto größer ist ihre Angst, dass das, was sie und Auri verbindet, vielleicht nicht so stark ist wie das, was sie trennt …“

Langrezi

Die Suche nach dem Plot kann man gleich wieder aufgeben. „Junge mag Mädchen, Mädchen mag Junge, sie beiden können nicht miteinander reden, am Ende kriegen sie sich doch“. Spannender wird’s nicht, gezogen auf über 400 Seiten empfand ich es aber doch schon extrem zäh.

Charaktere

Mit Cassie hatte ich so meine Probleme. Sie ist der klassische New-Adult-Prota mit null Abweichungen. Sie studiert etwas mit Literatur, hat ein geekiges Hobby, ist hübsch und wie alle in Kneidls Welt reich. Sie bekommt einen Job über den Sommer angeboten und ist ganz verdattert: ich, arbeiten?

Das habe ich schon an rich bitch Micah im ersten Teil gehasst und frage mich, woher die Autorin das Weltbild nimmt, dass alle Studenten (außer Julian) Geld scheißen. In der Regel arbeiten (fast) alle, und sei es nur, um den Lebenslauf zu peppen. Aber sei’s drum. Geld spielt auf jeden Fall keine Rolle, niemals.

Was mich an Cassies Ausarbeitung sehr gestört hat: Es wird immer wieder betont, dass sie soziale Situationen nicht kann und sich blamiert. Und sie blamiert sich nicht einmal. Wäre ja auch schade, wenn man nicht einmal in der Rezi „Show, don’t tell“ sagen könnte. Wirklich, es wird so oft durchgekaut, dass sie Menschenmassen nicht mag und bei Fremden dicht macht, aber sie meistert jede soziale Situation wie jeder andere auch.

Auri war okay. Über Auris Namen rege ich mich nicht mehr auf, dazu bin ich langsam zu ermüdet von dem Thema. Ich sach nur: Ich finde es nicht okay, einen Namen derart an ein anderes Werk ‚anzulehnen‘. Ich hätte auch erwartet, dass man die ersten drei Zeilen, die hier aus Der Name des Windes zitiert werden, auch hätte kennzeichnen müssen. Scheint nicht der Fall zu sein. Ansonsten: Auri existiert und macht manchmal Fehler. Und er ist schwarz.

„Konflikt“

Wir haben ja kaum Konflikte in diesem Buch, aber das ist eins, das gerne alle Jubeljahre rausgezogen wird, wenn es sonst gerade nichts zu tun gibt (wie Cassies Lückenfüller-Diabetes). Da diese Autorin (deutschsprachig) gleich alles in den USA angesiedelt hat (sexy für die deutsche Leserschaft), haben wir diesen „Konflikt“, den ich in Anführungszeichen setze, weil er 1. für mich als Deutsche/Europäerin schwer nachvollziehbar ist und er 2. sehr inkonsequent durchgezogen wird. Eben dann, wenn der Plot es braucht. Rassismus als plot device, wuhu.

Nein, ehrlich, ich finde es wirklich schade, dass der deutsche Buchmarkt so außer Acht gelassen wird beim Schreiben. Der Konflikt Rassismus funktioniert für mich nicht, nicht in dieser Art, nicht auf diese Weise. Natürlich gibt es ihn und ja, er ist in den USA krasser als hier, man merkt aber auch stark, dass die Autorin Deutsche ist und alles so schreibt, wie man es vom Hörensagen kennt, eher mit Draufsicht als Insight, typisch US-Teenie-Filme. Das hat mich gestört und den Konflikt für mich albern erscheinen lassen.

Popkultur-Anspielungen

Sonst… ach ja, die Popkultur-Anspielungen. Mein lieber Scholli. Der Name des Windes ist ein ewiger Aufhänger, genauso wie The Witcher (bei beidem hat mein Fanherz geblutet)… was haben wir noch? Alle Superhelden aus Marvel und DC, Stranger Things, Herr der Ringe, Mindhunter (die Serie ist großartig, bitch), Fight Club, Star Trek, Billie Eilish, Halsey, Guild Wars (das musste sogar ich tatsächlich googeln) und noch ein paar andere. Und da frage ich mich: An wen richtet sich dieses Buch? Denn, abgesehen davon, dass diese „Anspielungen“ so dezent wie ein Schlag in die Fresse sind, ich als Nerd habe sie alle verstanden, geht es den typischen Leserinnen auch so? Was ich bei Insta bislang gesehen habe, lässt mich daran eher zweifeln. Ich habe eher das Gefühl, dass die Autorin das alles ziemlich geil findet und das dann alles irgendwie reindrücken wollte. Wieso? Was hat das für einen Sinn? Ich kenne und mag vieles davon und bin nur getriggert und genervt. Und: Was hast du gegen Harry Potter und Star Wars, wenn die als einzige keine Erwähnung finden? Pfffft.

Fazit

Das Buch war überflüssig. Die beiden Protagonisten sind nicht interessant und individuell genug, um den nicht-existenten Plot zu tragen. Cassie ist eine schwächere Version von Micah, Auri ist halt… da. Und schwarz eben. Ich kann das Buch nicht empfehlen und werde auch den dritten Teil nicht mehr lesen. Ich gebe einen von fünf Sternen.

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