4. Dezember 2021

Psycho

Titel: Psycho
Regisseur: Alfred Hitchcock
Produktionsjahr: 1960
Produktionsland: USA
FSK: 12
Länge: 109 Minuten

Genre: Thriller

Klappentext

(Schon im Klappentext finden sich Spoiler. Wenn ihr also noch nichts von großen Wendungen in dem Film wisst, das Werk noch sehen und entsprechend keine wichtigen Entwicklungen vorab wissen wollt, solltet ihr hier auch schon wieder aufhören zu lesen.)

In Alfred Hitchcocks filmischem Glanzstück spielt Anthony Perkins die Hauptrolle des unheimlichen Hotelbesitzers Norman Bates, dessen verwinkeltes altes Haus mit dem angegliederten Motel nicht gerade der beste Ort ist, um einen ruhigen Abend zu verbringen. Niemand weiß dies besser als Marion Crane (Janet Leigh), die dort in der berüchtigten Duschszene ihr unglückseliges Ende findet. Als sich zuerst ein Privatdetektiv (Martin Balsam) und dann Marions Schwester (Vera Miles) auf die Suche nach ihr machen, geraten sie in eine bedrohliche Lage.

Psychohorror und Spannung bis zum dramatischen Höhepunkt, auf dem der unheimliche Mörder endlich entlarvt wird.

Langrezi

„Psycho“ gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Werken von Alfred Hitchcock – neben „Die Vögel“. Ein Klassiker, von dem sicherlich jeder schon einmal gehört, sich aber längst nicht jeder die Zeit genommen hat, das Werk einmal anzuschauen. Ich kann es kurz zusammenfassen: Es lohnt sich. Zumindest, wenn man bereit ist, sich auf den Film einzulassen. Ansonsten könnte es schnell langweilig werden.

Inhalt

Der Klappentext fasst es ganz gut zusammen und spoilert ja auch schon hemmungslos. Der Film dreht sich in der ersten Hälfte um die Angestellte Marion Crane, die eine Chance nutzt und sich mit 40.000 Dollar, die sie eigentlich für ihren Chef zur Bank bringen soll, absetzt. Das Ziel: Fairvale, wo Liebhaber Sam arbeitet, der sich bisher noch nicht durchringen konnte, seine Familie für Marion zu verlassen – auch, weil er Schulden hat.

Auf dem Weg zu Sam begegnet Marion einem aufmerksamen (man könnte auch sagen misstrauischen) Polizisten und schafft es bis kurz vor Fairvale. Das Wetter zwingt sie allerdings dazu, in das nächstbeste Motel einzukehren. Dort begegnet sie dem etwas merkwürdigen Besitzer Norman Bates. Sie führt ein gutes Gespräch mit ihm und entscheidet sich, am anderen Morgen zurückzufahren. Doch dazu kommt es nicht – wie der Klappentext schon verrät.

Und damit ist die Protagonistin dann auch Geschichte. Von da an übernehmen Marions Schwester Lila und Sam die Hauptrollen; sie suchen nach der Vermissten, unterstützt werden sie von einem Privatdetektiv, den Marions Firma beauftragt hat – man will schließlich das Geld wieder zurückbekommen. Und langsam kommen sie dem Geheimnis um das Motel auf die Schliche.

Figuren

So wahnsinnig viele Personen kommen gar nicht vor. Marion handelt mehr oder weniger im Affekt, wenn sie das Geld mitnimmt. Im weiteren Verlauf versucht sie vor allem, mit ihrem improvisierten Plan irgendwie durchzukommen. Die wirkliche Charakterzeichnung kommt recht spät, im Gespräch mit Norman. Da gibt sie dann aber durchaus interessante Einblicke ins Innenleben. Viel profitieren kann der Film dann im weiteren Verlauf aufgrund des zeitnahen Ablebens nicht mehr davon.

Marions Schwester und ihr Liebhaber bleiben allerdings noch blasser; während Sam lange Zeit nur ganz am Anfang überhaupt vorkommt, hat Lila ihren ersten Auftritt erst im zweiten Abschnitt des Films. Die beiden sind da, sie treiben die Geschichte voran und fallen nicht großartig negativ auf. Lila ist etwas mutiger, Sam wird ein bisschen von ihr mitgezogen. Alles völlig in Ordnung, allerdings auch nichts, was sich jetzt besonders einprägt.

Der Privatdetektiv – Arbogast – ist das Klischee eines 60er-Jahre-Detektivs. Wenn man sich einen backen müsste, es käme genau er heraus: Trenchcoat, Kippe im Mund, höflich, aber immer vermittelt er das Gefühl, etwas im Schilde zu führen und jedes Wort genau zu erfassen und abzuwägen. Ich empfand die Figur auf jeden Fall als sehr unterhaltsam.

Norman Bates ist ein großartiger Antagonist. Er spielt das Wahnsinnige gut, das besagte Gespräch mit Marion gibt auch einen besseren Einblick in sein Inneres. Die wirklichen Beweggründe werden nur angedeutet, aber das tut der Figur eher gut. Eine wirklich furchteinflößende Figur.

Erwähnen will ich noch den Polizisten, der Marion Crane fast auf die Schliche kommt. So einen aufdringlichen und gleichzeitig passiven Menschen habe ich selten in einem Film gesehen. Besonderes Highlight: Er parkt mit seinem Wagen gegenüber eines Gebrauchtwagenhändlers, wo Marion ihren Wagen gegen einen mit kalifornischen Kennzeichen tauscht. Der Cop steigt aus, stellt sich ans Auto, beobachtet sie, geht schließlich hin, wenn Marion schon mit dem neuen Wagen wegfahren will und schaut ihr etwas verdutzt hinterher, wenn sie dann tatsächlich vom Hof düst. Eine Verfolgung oder ähnliches wird dann nicht mehr eingeleitet. Großartig in der unfreiwilligen Komik.

Erzähltempo und Übertriebenes

Das beschreibt auch das einzige Problem – wenn man es so sehen will – ganz gut: Es ist eben ein mehr als 60 Jahre alter Film. Das Erzähltempo ist langsam, gemächlich, baut die Geschichte und dann auch die Spannung ganz behutsam auf. Es ist noch extremer als bei Shining, führt aber letztendlich dafür – wenn man sich denn drauf einlässt –, dass die Story wirklich fesselt.

Dazu kommt eine teilweise etwas übertriebene Spielweise, die ebenfalls typisch für die Zeit ist. Es hat ein wenig etwas von Theaterspiel. Da starrt der Polizist Marion zum Beispiel unverhohlen an, um zu verdeutlichen, dass er argwöhnisch ist. Marion wiederum genießt ihre Dusche dann später etwas zu sehr (nichts Sexuelles, aber sie ist einfach sehr glücklich über das warme Wasser). Aber: Das übertriebene Spiel fällt zumindest mir nur phasenweise auf, vor allem die spannenden Szenen sind mit viel Gefühl gespielt. Die Mischung gelingt.

Ende

Am Ende braucht man dann nochmal ein paar Minuten Durchhaltevermögen; es scheint den Machern wichtig gewesen zu sein, Normans Verhalten nochmal deutlicher aufzurdröseln. Das übernimmt dann ein Psychologe, der sich dankenswerter Weise nicht auf zeittypische Klischees zum Thema Transvestiten einlässt. Aber wer an der Story interessiert ist, wird auch das gerne noch mitnehmen. 

Kurioses

Und bevor ich zum Fazit komme, noch eine nette Anekdote zum Film: Es ist das erste US-amerikanische Werk, in dem man eine Klospülung sieht. Für eure Sammlung an unnützem Wissen. Nichts zu danken.

Fazit

Wenn man es zulässt, fesselt der Film. Ein bisschen Geduld ist notwendig, aber dann geht es doch relativ gleichbleibend spannend weiter, sei es in knappen Dialogen zwischen Norman Bates und dem Detektiv oder eben in der Suche nach Marion selbst. Ein paar Dinge, wie eben das Schauspiel an manchen Stellen, passt nicht mehr zu 100 Prozent in die aktuelle Zeit, aber insgesamt kann der Film auch heute noch überzeugen. 4 von 5 Sternen.

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