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Jeder macht mal Fehler. Dieser Binsenweisheit werden wahrscheinlich die meisten Menschen zustimmen. Das äußert sich bei jedem, auf einen mittellangen Zeitraum gesehen, in den verschiedensten Bereichen und sagt in vielen Fällen wenig bis gar nichts über die Intelligenz dieser Person aus. Vielleicht über seine Konzentration, in einigen Situationen aber nicht einmal das.

Schwierig wird es, wenn Fehler fahrlässig in Kauf genommen werden, sei es durch Schlampigkeit, Unaufmerksamkeit oder einfach pure Faulheit. Und noch schwieriger wird es, wenn diese Fehler zur Regelmäßigkeit werden. Und am allerschwierigsten wird es, wenn diese Fehler so flächendeckend sind, dass sie Gefahr laufen, sich allgemein fest zu verankern.

Das gilt wohl auch für alle Bereiche, ich rege mich in diesem Beitrag aber vor allem über Rechtschreib- und Grammatikfehler im Internet auf. Nach Jahren mit sozialen Medien hat man wohl so ziemlich jeden Fehler schon einmal gesehen, ist weitgehend abgestumpft und überliest viele Auswüchse sicherlich schon. Sich darüber zu echauffieren, das weiß ich auch, ist deutlich zu spät und wohl der sprichwörtliche Kampf gegen Windmühlen. Eine Bastion in den digitalen Weiten ist für mich aber der Bereich, der sich seinerseits mit Literatur beschäftigt, zum Beispiel Bookstagram. Dort besprechen Menschen Bücher, rezensieren sie, stellen vielleicht ihre eigenen Werke vor. Es sind also Frauen und Männer, denen die Arbeit mit der deutschen Sprache derart wichtig ist, dass sie sich eigene Accounts erstellt haben, um ihren Teil zur Verbreitung und zum Austausch beizutragen. Entsprechend schwer nachzuvollziehen ist es für mich, wie einige von ihnen ständig, in großer Zahl und sehr schamlos eine Vielzahl an Rechtschreib- und Grammatikregeln verletzen. Das-dass ist da noch harmlos.

Eine Orientierung für die Leser

Ich arbeite für eine Tageszeitung. Sind dort „zu viele“ Fehler in einer Ausgabe (wo die Schmerzgrenze liegt, ist höchst subjektiv), beschweren sich – zurecht – Leser. Sie werfen den Autoren vor, unsauber zu arbeiten, ihren Job nicht zu beherrschen und Schlimmeres. Über die Art und Weise, wie die Kritik vorgetragen wird, kann man reden, in der Sache haben sie aber recht. Natürlich ist es bei Bookstagram und Co. etwas anderes: Die Menschen machen das in aller Regel kostenlos, neben ihrer normalen Tätigkeit, einfach nur, weil sie Spaß daran haben – ein Hobby eben. Nichtsdestotrotz sind sie irgendwo eine Orientierung für andere. Die Verfasser der Rezensionen wollen, dass ihre Follower aufgrund ihrer Empfehlungen Geld für Bücher ausgeben. Da ist es doch nur naheliegend, dass sie sich auch andere Dinge abschauen oder unterbewusst eine weitergehende Legitimation für Fehler sehen. Frei nach dem Motto: „XY empfiehlt coole Bücher, schreibt großartige Rezensionen, und wenn er/sie auf richtige Rechtschreibung scheißt, ist es auch einfach nicht so wichtig.“ Natürlich wird es so ausformuliert kaum jemand ausdrücken, aber dass erfolgreiche Bookstagramer auch richtige Fans haben, ist leicht zu sehen. Und dass Fans Dinge häufig übernehmen, ist auch an diversen Orten zu verfolgen, das dürfte spätestens beim Besuch auf einem beliebigen Fußballplatz deutlich werden, wenn die jungen Kicker jubeln wie Ronaldo und Ibrahimovic.

Nun, dann ist es eben so – wo ist das Problem? Das wird der eine oder andere Leser an dieser Stelle denken. Mein Problem damit ist zweiteilig. Zum einen denke ich, dass die diesbezügliche Veränderung der Sprache auch immer zum Verlust führt. Der Genetiv sei da nur als ein Beispiel genannt. Und ich persönlich empfinde die deutsche Sprache als so abwechslungsreich, dass ich sie in Gänze als wertvoll bezeichnen würde. Und von etwas Wertvollem will man nichts verlieren, auch keine vermeintlich kleinen Stücke.

Der andere Teil ist einfach ein gewisses Unverständnis. Ich unterstelle mal allen Bookstagramern, dass sie die (deutsche) Sprache mögen. Sie beschäftigen sich gerne damit, anstatt sich einfach zum Beispiel einen Film oder eine Serie anzuschauen. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es natürlich auch Filme und Serien gibt, die ganz großen Wert auf eine besondere Sprache legen, aber es ist halt längst nicht immer der Fall.

Wertvolles soll man pfleglich behandeln

Bookstagramer mögen also die Sprache – warum behandeln sie sie dann nicht pfleglich? Wenn ich etwas mag, versuche ich nach bestem Wissen und Gewissen, es zu schützen. Da ist es egal, ob es ein Mensch, ein Tier, ein Gegenstand oder etwas Immaterielles ist. Und dazu gehört in diesem Fall aus meiner Sicht auch die korrekte Anwendung der Sprache.

Ja, auch ich schreibe vor allem in Whatsapp-Nachrichten häufig jenseits der gängigen Groß- und Kleinschreibregeln. Sobald sich meine Texte aber an mehr als eine kleine Whatsapp-Gruppe richten, an Menschen, von denen ich nicht sicher weiß, dass sie sicher in der Rechtschreibung sind, passe ich mich an und schreibe ordentlich. Damit andere Leute es mir idealerweise gleichtun.

„Ich kann jederzeit damit aufhören“, denken vielleicht jetzt einige Leser an dieser Stelle. Man wechselt halt einfach zwischen informellen und offiziellen Texten. Ich kann sagen: Das schafft nicht jeder. Vor Kurzem habe ich ein Buch gelesen, das so vor Fehlern strotzte (angeblich trotz Lektorat), dass es mich wütend gemacht hat. Es war sicherlich keine Absicht der Autorin, dennoch war es so erschienen.

Deshalb meine Bitte: Passt auf eure (geschriebene) Sprache auf. Macht Werbung für die vernünftige Umsetzung derselben. Aber vergesst dabei auch nie, dass Fehler eben passieren. Der Begriff „Sprach-Nazi“ beschreibt ja ursprünglich Leute, die es mit den Hinweisen übertrieben haben. Zu kleinliches Herummäkeln hat eben oft den gegenteiligen Effekt. Wir sind ja alle nur Menschen. Aber die sind eben auch leicht zu beeinflussen.

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