6. Dezember 2021

Der Orden des geheimen Baumes

Titel: Der Orden des geheimen Baumes – Die Magierin (Teil 1)
Der Orden des geheimen Baumes – Die Königin (Teil 2)
Autorin: Samantha Shannon und Wolfgang Thon
Verlag: Penhaligon Verlag
Seitenzahl: 544 (jeweils, Band 1 und 2)
Erstveröffentlichung: 21. September 2020 (Band 1), 19. Oktober 2020 (Band 2)

Genre: Fantasy

Information: Die Geschichte ist im Original in einem Buch zusammengefasst, im Deutschen sind es zwei. Weil der erste Teil im Prinzip nur eine sehr lange Einleitung ist, bezieht sich diese Rezi stärker auf die zweite Hälfte. Sie ist im Prinzip aber für beide Bücher gültig. Zur Orientierung folgen die Klappentexte beider Teile.

Klappentext I

In ihrem epischen Fantasy-Roman „Der Orden des geheimen Baumes“ hebt Samantha Shannon das Genre auf die nächste Stufe. Mächtige Frauen lenken und beeinflussen das Schicksal ihrer Welt, ob als Königin, Magierin oder Drachenreiterin. Doch die Welt ist geteilt: Während im Westen alle Drachen als absolut böse verdammt werden, werden diese im Osten als göttergleiche Wesen verehrt. Trotz dieser gegensätzlichen Weltanschauungen müssen die Menschen des Ostens und des Westens zusammenarbeiten, als ein riesiger bösartiger Drache aus der Vergangenheit wieder aufersteht. Drei starke Frauen nehmen die Herausforderung an, die Bewohner beider Reiche zu vereinen, um die Menschheit zu retten …
In diesen Momenten – wenn Glaubenssysteme kollidieren und eine detailreiche Welt entsteht – ist Samantha Shannon in Bestform.

Klappentext II

Königin Sabran ist in ihrem eigenen Palast gefangen. Sie setzt alles daran zu entkommen, doch erst als die Magierin Ead vom Kloster des geheimen Baumes zurückkehrt und sie unterstützt, gelingt ihr die Flucht. Gemeinsam brechen sie auf, um das magische Schwert Ascalon aufzuspüren, die einzige Waffe, die den namenlosen Drachen töten kann. Doch in den verbotenen Wäldern finden sie nicht nur Hoffnung. Sabran muss auch erkennen, dass ihr ganzes Leben auf einer schrecklichen Lüge fußt. Hat sie überhaupt noch das Recht, sich Königin von Inys zu nennen?

Langrezi

(Es folgen Spoiler!)

Man mische so gut wie jeden Trope aus dem Fantasygenre in einem großen Pott zusammen und füge einen soliden Schreibstil, eine viel zu überladene Welt und eine relativ banale Storyline hinzu, die durch unterschiedliche PoVs viel komplexer wirkt, als sie eigentlich ist. Voilà. Im Grunde hat man den Orangenbaum.

Der Plot

Mir wurde von vielen Seiten zugetragen, dass die vielen Handlungsstränge sehr schön zusammengeführt werden und alles ineinander greift. Und das stimmt auch. Allerdings ist der Plot, wenn man darüber nachdenkt, sagenhaft simpel und leider extrem gradlinig, fast wie ein Korsett. Durch den Zwang, den Plot in eine bestimmte Richtung zu drücken, damit wir zum Grande Finale kommen, gibt es keinerlei nennenswerte Twists (irgendwelche belanglosen „Ich bin dein Vater“-Reveals mal ausgenommen).

Dafür gibt es unangenehm viele Szenen, in denen Charaktere sagen: „So und so machen wir das“, und OHNE AUSNAHME passiert es dann auch genauso. Normalerweise wird so ein Foreshadowing dafür genutzt, mit den Erwartungen zu brechen, aber hier wird einfach alles nochmal lang erzählt, was vorher in zwei Sätzen nett von Charakter XY zusammengefasst wurde. So gut wie jeder wichtige Charakter hat einen fetten Plotarmor, weil er/sie nicht sterben darf, weil sonst der Oberkonflikt nicht hinhaut. Und zu guter Letzt müssen einige Charaktere (v.a. Sabran und Niclays) eine 180-Grad-Drehung in ihrem Charakter hinlegen, damit es plottechnisch überhaupt hinkommt.

Durch all diese Faktoren fand ich die übergeordnete Story endlos langweilig. Wer Lust hat, sich durch 300 Seiten Exposition zu arbeiten, um dann ein paar verstreute Actionszenen zu bekommen, darf sich dann über enttäuschende (nicht mal) 30 Seiten Endkampf freuen, nach denen dann Friede-Freude-Eierkuchen herrscht. Auch wenn das 2. Buch definitiv stärker war als das 1., hat mir das Ende so gut wie alles verdorben.

Die Gegenspieler

Fantasy ohne gute Gegenspieler suckt. Leider ist das auch genau der Punkt, an dem der Orangenbaum verkackt. Entweder sind die Bösen dafür da, Infodumping zu betreiben, oder sie lassen sich fast schon bereitwillig töten. Ernsthaft, sie wären nur noch lächerlicher, wenn sie von selbst ins Messer laufen würden, wobei das im Grunde auch passiert ist. Leider sind das nicht die einzigen Szenen, bei denen die Logik einen Abgang macht, aber sei’s drum.

Der Stil

Durch die vielen PoVs konnte man nicht richtig in die Tiefe gehen und Charakterisierungen blieben blass oder verschwammen. Ich hatte das Gefühl, dass man zumindest eine hätte streichen (hallo, Niclays) und so mehr Fokus auf den Rest legen können. Auch bin ich überzeugt, dass man das Buch nicht als 900+-Seiten-Schinken hätte rausbringen müssen, sondern mit einer ordinären Trilogie-Aufteilung besser dran gewesen wäre. Mehr Zeit, mehr Raum, mehr Tiefe.

Das Fazit

Insgesamt fehlt es mir bei dieser Geschichte an allem: interessante, vielschichtige Charaktere, ein Plot mit geilen Twists ohne Plotarmor, würzige und humorvolle Dialoge. Es hat sich so angefühlt, als würde die Geschichte so durchsickern und ohne viel Begeisterung erzählt werden. Der Stil ist solide, das Buch objektiv wohl auch, aber für mich war es eine gigantische Enttäuschung und definitiv kein Leuchtfeuer im Bereich Fantasy. Game of Thrones, Der Name des Windes, Nevernight – in dieser Riege spielt der Orangenbaum (zumindest in meinen Augen) nicht ansatzweise mit. Objektiv gesehen hat das Buch wohl gute 3 Sterne verdient, von mir persönlich gibt es 2 von 5 Sterne.

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